Einblicke

Hier finden Sie weitere Infos zu meinem Herzensthema: Barrierefreiheit im Tourismus. Texte zu meiner Philosophie, Interviews mit den Menschen, um die es geht, Hintergrundwissen für Ihre Produktgestaltung oder Ihr Marketing, und vieles mehr. Lassen Sie sich inspirieren!

(Online-)Events barrierefrei gestalten

Wir alle haben uns im letzten Jahr neue Fähigkeiten angeeignet, vielleicht sogar manches zum ersten Mal gemacht. Was sicherlich für jede und jeden von uns sehr viel häufiger vorkam als sonst sind Online-Events. Vom kurzen Skype-Meeting mit dem Team bis zu ganzen Webinaren ist die Bandbreite und Themenvielfalt im letzten Jahr exponentiell gewachsen. 

Aber wie kommen behinderte und ältere Menschen eigentlich mit diesen neuen Möglichkeiten klar?   

Sind Online-Events barrierefrei?

Zum einen bieten virtuelle Formate eine große Chance für all diejenigen, die zu einem Live-Event mit all seinen Barrieren gar nicht hätten kommen können. Wir merken das an den deutlich höheren Teilnehmerzahlen bei Online-Events – für viele hätte es wohl irgendeine Art von Barriere gegeben, die sie an der Teilnahme am Live-Event gehindert hätte. Dabei müssen wir nicht nur an „Barrieren“ im Sinne einer Behinderung denken. Es könnten auch Hindernisse sein wie weite Anreise, hohe Reisekosten, Dienstreiseantrag, usw.

Zum anderen bleibt aber die große Frage, wie barrierefrei die Technik ist. Vor allem Menschen mit einer Sinneseinschränkung könnten Schwierigkeiten haben – blinde Menschen, die sich unter Umständen noch nicht mal in das Tool einloggen können, gehörlose Menschen, die das gesprochene Wort nicht verstehen, Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, die weder die Technik bedienen können noch den Inhalt des Meetings verstehen… 

Die gute Nachricht ist: Für all diese Schwierigkeiten gibt es Lösungen!

Wie immer beim Thema Barrierefreiheit müssen wir als Veranstalter von und Mitwirkende an Online-Events aber mitdenken. 

Wäre Ihr gesprochenes Wort auch ohne den geteilten Bildschirm verständlich? Trainieren Sie, Ihre Folien verbal zu vermitteln! Diesen Tipp können Sie übrigens auch für den Moment gebrauchen, in dem die Technik mal nicht mitspielt. Saß nicht jede und jeder von uns schonmal in einer Konferenz mit dieser Situation: Die Rednerin oder der Redner kriegt es nicht hin, den Bildschirm zu teilen und stiehlt uns wertvolle Lebenszeit mit der Suche nach dem technischen Fehler, statt einfach mal eben das zu verbalisieren, was er oder sie gerade visuell zeigen wollte… Wer Erfahrung zum Beispiel im Schreiben von Alternativtexten für blinde Userinnen und User hat oder regelmäßig Dinge für blinde Menschen beschreibt, ist hier im Vorteil.  

Haben Sie sich selbst schonmal untertiteln lassen? Es gibt in den meisten Konferenz-Programmen ein automatisches Tool dafür, wobei professionelle Untertitelungsdienste eine deutlich bessere Qualität liefern. 

Weiterlesen

Eine erste Übersicht über die verschiedenen Aspekte von Barrierefreiheit bei Online-Events mit interessanten Verlinkungen zur Vertiefung gibt die Bundesfachstelle Barrierefreiheit. Auch im neu erschienenen Buch „Barrierefreie Events“ von Kerstin Hoffmann-Wagner und Gudrun Jostes beschäftigt sich ein Kapitel mit dem Thema virtuelle Veranstaltungsformate. 

Bundesfachstelle Barrierefreiheit: Barrierefreie Webkonferenzen

Neuerscheinung: Buch „Barrierefreie Events“

Katja Naumann, eine junge Dame im Rollstuhl, hier mit weißem Hut, lachend, in der Sonne

MosGiTo fragt … Katja Naumann

MosGiTo fragt …

… Reisende mit Behinderung nach ihren Erfahrungen, Erwartungen und Wünschen an die Reisebranche. Im dritten Teil der Serie antwortet Katja Naumann.

Die Germanistin hatte in ihrer Funktion als Pressereferentin des Sächsischen Sozialministeriums eine strikte Devise: Keine Publikation verlässt das Haus ohne barrierefrei zu sein! Sie wurde selbst zur Expertin für barrierefreie PDFs. Dass Barrierefreiheit auf Reisen wichtig ist, weiß sie nicht nur durch ihre aktuelle Tätigkeit als Leiterin des Büros der Staatsministerin für Kultur und Tourismus, sondern auch aus eigener Erfahrung: Auf Grund einer Muskelerkrankung sitzt Frau Naumann überwiegend im Rollstuhl.

Das Interview wurde im September 2020 geführt.


Frau Naumann, Sie sind für Ihre Mobilität auf einen Rollstuhl angewiesen. Auf welche Barrieren stoßen Sie, wenn Sie in Ihrer Freizeit oder im Urlaub unterwegs sind?

Eigentlich stoße ich auf die gleichen Barrieren wie im Alltag: Barrieren am Bau und Barrieren in den Köpfen. In den Städten sind es die unterschiedlich hohen Bordsteine, der gefühlte Zwang zum Kopfsteinpflaster und die selten durchdachten Parkplätze für Menschen mit Behinderungen. Ich reise viel mit dem Auto, da erlebe ich es immer wieder, dass Behindertenparkplätze zwar da sind, aber der Platz zum Ausladen des Rollstuhls nicht ausreicht, oder die Situation immer wieder dazu einlädt, Fahrzeuge auf den Behindertenparkplätzen zuzuparken.

Letzteres ist auch ein schönes Beispiel für Barrieren in den Köpfen. Ich erlebe hier immer wieder sehr viel Positives und sehr viel Negatives. Dieses Jahr war ich im Urlauab in Tirol. Mein Ausflug auf die Zugspitze ist ein Positivbeispiel. Alle Mitarbeiter waren hilfsbereit und äußerst freundlich – und das auf Augenhöhe. Wer hätte gedacht, dass ich im Rolli mal auf den höchsten Punkt Deutschlands komme. Toll!

In den Hotels sind die Barrieren oft gering, aber vermeidbar. Meist sind die Dinge einfach nicht mit Menschen mit Behinderungen zu Ende gedacht. Auch hier war das diesjährige Hotel ein Positivbeispiel. Die Rezeption war auf Stuhlhöhe und vor allem unterfahrbar. Das Restaurant war großzügig geschnitten. Buffet gab es aufgrund der Corona-Vorschriften nicht, wäre aber auch für mich machbar gewesen. Das Badezimmer hatte eine Schiebetür – das ist immer toll für die Bewegungsfreiheit. Die Stufe zum Balkon war fast ebenerdig, die Dusche war es. Das Bett war auf einer Seite mit dem Rolli anfahrbar. Aber… Die Türen zu den Gängen, in denen sich die Zimmer befanden, waren nicht elektrisch und die Tiefgarage hatte keinen größeren Parkplatz. Alles Dinge, die sich einfach regeln ließen.


Haben Sie das Gefühl, die Tourismusbranche engagiert sich bereits für das Thema Barrierefreiheit? Was erleben Sie im Urlaub denn als besonders wohltuend im Zusammenhang mit Ihren Bedürfnissen?

Auch hier ist es wie in meinem Alltag: Es steht und fällt mit den Menschen. Ich glaube schon, dass die Branche an sich Interesse an Barrierefreiheit hat. Aber ich erlebe immer wieder, dass vielen gar nicht klar ist, was Barrierefreiheit bedeutet, und wie man diese auch „in schön“ umsetzen kann. Viele glauben, ein Hotelzimmer für Menschen mit Behinderungen sieht am Ende aus wie ein Zimmer im Krankenhaus. Das ist völliger Unsinn. Nur ein Beratungsgespräch mit einem Rollstuhlfahrer und Hoteliers und Gastronomen wüssten, dass Barrierefreiheit kein Teufelszeug ist, und Menschen mit Behinderungen auch ohne professionellen Unterstützungsdienst verreisen können. Viele haben einfach keine Vorstellungen. Dass sie diese nicht haben, ist nicht schlimm. Woher auch? Schon die Einsicht darüber, dass sie keine Vorstellungen haben können, würde aber viel ändern. Dann beginnen Kommunikation und der Weg zu Verbesserungen.

Mir ist am wichtigsten, dass ich als Gesprächspartner auf Augenhöhe wahrgenommen werde. Ich erlebe immer wieder, dass meine Begleitung gefragt wird, ob es mir geschmeckt hat – um mal nur ein Beispiel zu nennen. Ich kann schlecht laufen, ich bin nicht blöd. Schon bei der Begrüßung merke ich, ob mein Gegenüber Vorurteile hat oder mich zumindest in eine Schublade steckt, die er oder sie für sein Denken gezimmert hat. Aber auch hier sind es leider die schwarzen Schafe, die mehr in Erinnerung bleiben. Ganz viele Menschen sind nicht wie gerade beschrieben. Das ist so wertvoll und sollte wohl auch von uns Menschen mit Behinderungen mehr gewürdigt werden.


Haben Sie Tipps für Servicemitarbeiter für den Umgang mit behinderten Gästen?

Nehmen Sie Menschen mit Behinderungen genauso ernst wie jeden anderen Gast. Egal, ob Ihr Gast nichts hören kann, ob er schlecht oder gar nicht laufen kann oder ob er Dinge nicht so schnell versteht, wie man vielleicht vermutet: Ein Gast ist ein Gast. Und jeder Gast hat denselben Respekt verdient.

Und glauben Sie bitte nicht zu wissen, was ein Mensch im Rollstuhl so für Bedürfnisse hat. Ich erinnere mich noch wie heute, als mich ein Mitarbeiter, der das sehr nett meinte, anfing zu schieben, um mir das Hotel zu zeigen und zu meinem Zimmer zu bringen. Mal davon abgesehen, dass es für Ungeübte gar nicht so einfach ist, einen Rollstuhl zu schieben, können die meisten Rollstuhlfahrer das schon sehr gut allein. Bieten Sie stattdessen freundlich und verbindlich Ihre Hilfe an. „Wenn ich Ihnen helfen kann, geben Sie mir gern Bescheid. Sie finden mich in… / Sie erreichen mich unter…“. Mehr braucht es nicht. Ehrlich. Glauben Sie mir.


Und was wünschen Sie sich persönlich von der Reisebranche?

Ich wünsche mir, dass Barrierefreiheit nicht mehr als dieses „Zeug für die Behinderte“ wahrgenommen wird. Jede Rampe hilft auch den Eltern mit Kinderwagen oder den Fahrrad-Trekkis. Jeder sprechende Fahrstuhl hilft auch älteren Menschen. Jede Automatik-Tür macht auch den Mitarbeitern das Leben leichter, zum Beispiel wenn sie mit dem schweren Putzwagen von Gang zu Gang müssen. Ein einziges Gespräch mit einem Menschen mit Behinderungen hilft da schon. Auch bei der Erkenntnis, dass es hundertprozentige Barrierefreiheit nicht gibt. So können viele Maßnahmen für Rollifahrer für blinde Menschen zur Barriere werden. Ich sage immer: Reden hilft. Und denken noch viel mehr. Eine Tour durchs Hotel, um bei dem Beispiel zu bleiben, mit einem Rollstuhlfahrer würde vielen Hoteliers die Bedenken zu diesem Thema nehmen.

Sie haben nicht nur persönlich mit dem Thema Barrierefreiheit im Tourismus zu tun, sondern auch beruflich. Jetzt erst recht, weil Sie im Sächsischen Ministerium für Kultur und Tourismus tätig sind. Aber auch vorher bereits: Während Ihrer Tätigkeit in der Pressestelle des Sächsischen Sozialministeriums hatten Sie die Devise, sämtliche Veröffentlichungen des Ministeriums barrierefrei zu gestalten und sich dabei tief in die Thematik der barrierefreien PDFs und Internetseiten eingearbeitet. Was empfehlen Sie Touristikern diesbezüglich? Sollten auch im Tourismus alle digitalen Veröffentlichungen in barrierefreier Form erfolgen?

Unbedingt! Aber auch hier gilt: Das ist kein Teufelszeug. Viele Dinge werden bereits umgesetzt, ohne dass der Touristiker das merkt oder weiß. Viel wichtiger aber auch hier: Es hilft immer auch allen Gästen. Eine Bildbeschreibung auf der Webseite zum Beispiel wird nicht nur blinden Menschen vorgelesen, diese wird meist auch angezeigt, wenn das Bild an sich nicht angezeigt werden kann. Ein barrierefreies PDF ist in der Regel kleiner als ein druckbares PDF und kann somit auch mobil vom Gast heruntergeladen werden.


Wie könnten Tourismusunternehmen das umsetzen? Was empfehlen Sie als Vorgehensweise in der Praxis?

Ich sehe hier vielmehr Grafikdesigner und Webdesigner in der Pflicht. Sie können Barrierefreiheit mit einfachen Schritten umsetzen. Der Touristiker selbst muss sich weder mit dem Thema wirklich auskennen, noch muss er Arbeitszeit darin investieren. Aber natürlich können sich Touristiker hier einbringen, indem sie Barrierefreiheit verlangen. Angebot und Nachfrage. Schaffen wir also gemeinsam die Nachfrage.


Frau Naumann, ich danke Ihnen sehr für das Interview.

Euro-WC-Schlüssel

Es ist keine neue Nachricht, aber viele kennen ihn noch nicht: Den Euro-Schlüssel für Toiletten für Menschen mit Behinderung. Mit einem einzigen Schlüssel haben Menschen, die unter anderem auf große Bewegungsflächen und Haltegriffe in der Toilette angewiesen sind, Zugang zu aktuell mehr als 12.000 öffentlichen Toiletten in Bahnhöfen, an Autobahnen, aber auch in Museen und im öffentlichen Raum. Der Vorteil? Abgeschlossene Toiletten sind vor Verunreinigung und Vandalismus geschützt. Wären sie aber mit einem Schloss versehen, das nur vom Betreiber geöffnet und geschlossen werden kann, so wäre die Nutzung an bestimmte Öffnungszeiten gebunden. Mit dem Euro-Schlüssel kann jeder Gast, der es braucht, zum gewünschten Zeitpunkt zur Toilette. Zumindest sofern er oder sie sich vorab den Schlüssel besorgt hat. Für alle anderen kann es hilfreich sein, einen Euro-Schlüssel zum Ausleihen bereit zu halten, zum Beispiel an der Kasse, Rezeption oder in der Tourist-Info. 

Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, eine Toilette mit Euro-Schloss zur Verfügung zu stellen?

In Ihrer Tourist-Information, in Ihrer Stadt/Region, in Ihrem Betrieb? Einen gewissen Marketingvorteil haben Sie auch dadurch: Sie werden in der Broschüre „Der Locus“ gelistet, die bei jeder Bestellung des Schlüssels mitgeschickt wird. Bedenken müssen Sie nur eines: Selbstreinigend sind diese Toiletten leider nicht. Der Vorteil der nicht verunreinigten Toiletten greift also nur, wenn auch diese Toiletten regelmäßig gereinigt werden. 

Mehr Infos zum Euro-WC-Schlüssel

Feste für Alle

Jedes Jahr wird auf der CMT in Stuttgart der „Goldene Rollstuhl“ verliehen. Von den diesjährigen Preisträgern hat mich besonders das Projekt „Pfälzer Feste für Alle“ beeindruckt. Warum? Barrierefreiheit bei Veranstaltungen wird selbst in sonst als vorbildlich geltenden Orten und Regionen oft stiefmütterlich behandelt. Auch wenn es dafür nachvollziehbare Gründe gibt – Veranstaltungen sind temporär, mit vielen verschiedenen Akteuren, usw. – für Menschen mit Behinderung, die genauso feiern/tagen/teilnehmen möchten wie alle anderen, ist das dennoch sehr traurig. Das Projekt an der Südlichen Weinstraße zeigt nun, dass es wohl doch funktioniert, Barrierefreiheit auch auf Festen anzugehen.

Mehr Informationen zu den „Pfälzer Festen für Alle“

Mehr Informationen zur Preisverleihung des „Goldenen Rollstuhls“ auf der CMT

Porträt Raul Krauthausen

MosGiTo fragt … Raul Krauthausen

MosGiTo fragt …

… Reisende mit Behinderung nach ihren Erfahrungen, Erwartungen und Wünschen an die Reisebranche.


Im zweiten Teil der Serie antwortet Raul Krauthausen, Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit und Gründer des Sozialhelden e.V., dem Verein, der u.a. wheelmap.org auf die Beine gestellt hat. Herr Krauthausen ist im Rollstuhl unterwegs – und das nicht zu knapp. Für seine zahlreichen Termine als Aktivist, aber auch zur Erholung, reist er im Schnitt 200 Mal im Jahr. Aktuell steht allerdings auch für ihn die Welt Kopf – Corona streicht ihm nicht nur zahlreiche Termine aus dem Kalender, sondern erfüllt ihn auch mit ernsthafter Sorge.

Das Interview wurde Anfang April 2020 geführt.


Herr Krauthausen, wie geht es Ihnen aktuell in dieser außergewöhnlichen Zeit?

Danke, mir geht es soweit gut. Ich bin wohl auf und passe auf mich auf. Sorgen mache ich mir vor allem um die seelischen und psychischen Folgen dieser Zeit für viele.


Zum Thema Sicherheit von Menschen mit Behinderung fällt mir direkt eine Problematik ein, die es in vielen Tourismusbetrieben in diesem Zusammenhang gibt. Es gibt ja leider immer noch viele Betriebe, die für Menschen im Rollstuhl nicht oder nur schwer zugänglich sind. Aber selbst in den Betrieben, die diesbezüglich bereits für Barrierefreiheit gesorgt haben, bleibt die Frage nach den Fluchtwegen vielerorts offen. Gerade in Frankfurt bin ich oft in Hotels, deren rollstuhlgerechte Zimmer sich im 20. Stock oder höher befinden – als Fluchtweg gilt offiziell eine Treppe. Würden Sie in so einem Hotel denn überhaupt übernachten oder stellen Sie sich die Frage lieber nicht, um Ihre Auswahl nicht noch mehr einzuschränken?

Ja, denn sonst könnte ich ja gar kein Gebäude mehr betreten. Ich hoffe natürlich, dass es im Ernstfall einen Evakuierungsplan gibt, in dem der Einsatz von “Evak-Chairs” oder Rettungstüchern vorgesehen ist.


Wie organisieren Sie denn – in „normalen“ Zeiten – Ihre Reisen: Wie wählen Sie Reiseziele aus und welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit Sie entspannt verreisen können?

Wenn ich privat verreise, spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Den größten Einfluss haben Freunde oder Familie – denn auch ich mache natürlich Urlaub nicht allein. Gruppenreisen spezieller Anbieter sind allerdings nicht mein Ding.

Prinzipiell lehne ich erstmal kein Reiseziel per se ab. Hilfreich sind auf jeden Fall aber Empfehlungen oder die Erfahrungen von befreundeten Rollstuhlfahrer*innen. Wichtig ist für mich, wie ich vor Ort von A nach B komme, das ist im Vorfeld schon gut zu wissen. Und einen Blick in die Wheelmap werfe ich auch gerne. 🙂

Viele meiner Reiseziele wähle ich aber nicht im eigentlichen Sinne aus, sondern sind beruflich notwendig. Am einfachsten ist es, wenn es große oder mittelgroße Städte sind, die einen großen Bahnhof mit funktionierenden (!) Aufzügen haben.

Ich reise fast ausschließlich mit dem ICE, weil ich dort mit meinem Elektrorollstuhl mitgenommen werde und es für innerdeutsche Reisen oder in die Nachbarländer die schnellste Variante ist. Die “Logistik” mit Rollstuhl am Flughafen kostet viel Zeit und Nerven und ich muss zudem auf einen manuellen Rollstuhl umsteigen, mit dem ich mich weniger mobil fühle. Allerdings ist für Reisen mit der Bahn eine Reservierung mit einigem Vorlauf wichtig: Ich empfehle für Bahnfahrten immer zwei Tage vorab bei der Mobilitätshotline der Bahn die Rollstuhlplätze zu reservieren und auch die Mobilitätshilfe. Spontanes Reisen ist schwer. Sonst komme ich mit meinem Elektrorollstuhl nicht rein, z.B. weil das Personal am Bahnsteig schon anderweitig verplant oder im Feierabend ist.

Liegt der Zielort nicht in der Nähe eines großen Bahnhofs nehme ich Fahrdienste in Anspruch, die die letzte Strecke überbrücken. Aber auch das muss frühzeitig organisiert werden.


Mit den Sozialhelden haben Sie sich und Ihren Mitstreitern eine Plattform geschaffen, über einzelne Projekte in vielfältigen Bereichen Inklusion und Barrierefreiheit voranzutreiben. Mehrere Projekte befassen sich mit dem Tourismus, u.a. wheelmap.org oder travelable. Welches Ziel verfolgen diese Projekte?

Wheelmap.org bietet Menschen mit Mobilitäteinschränkungen weltweit auf einer Online-Karte eine gute Orientierung, welche Orte zugänglich sind oder nicht. Die Zahl der Einträge wächst täglich, weil alle ihr Ortswissen beisteuern können – ich benutze sie in Berlin und auch in anderen Städten selbst sehr viel, wenn ich mal wo unterwegs bin, wo ich mich nicht so gut auskenne. Das Ziel von Wheelmap.org und auch dem Schwestern-Projekt TravelAble ist genau das: Mehr Mobilität und Freiheit unterwegs! Wir binden zusätzlich zu den über 1 Million Daten aus der Wheelmap- und OpenStreetMap-Community mittlerweile auch die Daten von Partnern ein, die weitere wertvolle touristische Informationen enthalten, z.B. die Strände von “Blue Flag Global”, Hotels von “Reisen für Alle”, “AXSMap” mit vielen Einträgen in den USA, “Jaccede” in Frankreich und viele mehr. Wir wollen, dass, egal, wo die Menschen die Wheelmap nutzen, sie überall rollstuhlgerechte Orte finden können. Dazu gehören übrigens auch rollstuhlgerechte WCs – so banal es klingen mag: zu wissen, wo die nächste rollstuhlgerechte Toilette ist, erhöht die Mobilität um ein Vielfaches!

Unsere langfristige Vision ist, dass Angaben zur Barrierefreiheit so selbstverständlich sind wie die Angaben von Öffnungszeiten für ein Restaurant. Gleichzeitig ist die Wheelmap daher auch eine dauerhafte Kampagne, um mehr Bewusstheit für Barrierefreiheit zu schaffen und transparent zu machen, wo noch Verbesserungen der Zugänglichkeit passieren müssen.


Unternimmt die Tourismusbranche selbst Ihrer Meinung nach zu wenig für Reisende mit Behinderung? Was würden Sie sich denn von der Reisebranche wünschen?

Für die Tourismusbranche sind meines Eindrucks nach Menschen mit Behinderung noch immer eine kleine Nischensparte und Barrierefreiheit selbst wird oft als “Luxus” dargestellt à la “Schaut mal, wir denken sogar an die Behinderten”. Ich würde mir generell daher zunächst wünschen, dass – wie in so vielen anderen Lebensbereichen – Menschen mit Behinderung als Mainstream der Gesellschaft betrachtet werden. Das ist allerdings auch ein strukturelles Problem und da hat die Politik zu lange gezögert und die Privatwirtschaft noch immer nicht ausreichend in die gesetzliche Pflicht genommen. Das betrifft auch die Reiseindustrie.

Eine weitere, echte Barriere, ist die Informationslücke zur Barrierefreiheit. Hier gibt es noch keine einheitlichen Standards, wie z.B. Angebote oder Orte im Internet nach welchen Kriterien beschrieben werden müssen, an die sich große und kleine Anbieter gleichermaßen halten. Als Reisende*r will ich mich ja nicht durch Unmengen von einzelnen Hotel-Websites wühlen, sondern will auf Filtermöglichkeiten und Listenansichten von gängigen Portalen vertrauen. Und dann wiederum sicher sein, dass die dort genannten Informationen auch mit der Realität vor Ort übereinstimmen. Bei den Hotelbetreibern fehlt ganz oft Wissen, welche Angaben für die erste Orientierung wirklich hilfreich sind – ein generelles “Barrierefrei” bringt mir nichts, denn barrierefrei bedeutet je nach Einschränkung etwas anderes. Andererseits überfordert sowohl Betreiber als auch Gäste eine ellenlange Liste von DIN-Norm geprüften Kriterien. Hier muss also eine clevere Lösung und ein guter Mittelweg her. Damit beschäftigen wir uns bei den Sozialhelden, z.B. im Projekt TravelAble aber auch generell in der Weiterentwicklung von Wheelmap und in der Semantik von verknüpften Daten.


Die Tourismusunternehmen, die sich bereits um Inklusion und Barrierefreiheit bemühen, sind oft kleine, von Idealisten geführte Betriebe. Aktuell kämpfen gerade Betriebe dieser Größe mit den Folgen der Corona-Krise. Auf der anderen Seite stehen aber auch viele große Leistungsträger und staatliche Stellen, die mit der Tourismusförderung beauftragt sind. Viele von ihnen unternehmen bisher wenig, um Barrierefreiheit im Tourismus voranzutreiben – jetzt droht dieses Thema hier weiter in den Hintergrund zu rücken. Was denken Sie, wie sollte die Branche in der aktuellen Situation mit dem Thema Barrierefreiheit umgehen? Wie könnten wir Sie in Ihrer Sorge um die Gesundheit vieler unterstützen – und was wäre Ihre Vorstellung für das Reisen mit Behinderung nach der Corona-Zeit?

Es ist in der aktuellen Situation verständlich, dass es in der Tourismusbranche momentan für die meisten Betriebe um oft sogar existenzielle Fragen geht und das Thema Barrierefreiheit erstmal in den Hintergrund rückt. Die gesundheitliche Prävention geht jetzt vor – auch viele Menschen, die eine Behinderung haben, gehören gleichzeitig zur Risikogruppe. Die Corona-Krise birgt vielleicht aber auch das Potenzial, dass der Gesellschaft bewusst wird, wie viele Menschen tatsächlich auf konkrete Informationen, hygienische Bedingungen und eine barrierearme Ausstattung angewiesen sind. Denn auch bei Hygiene und Barrierefreiheit gibt es einige Überschneidungen. Ich hoffe daher, dass wir das Thema bald wieder mit erneutem Schwung in Angriff nehmen können.


Vielen Dank, Herr Krauthausen, für Ihre Antworten.

Anja Lehmann mit Langstock in der Hand vor einem Tastmodell aus Bronze

MosGiTo fragt … Anja Lehmann

MosGiTo fragt …

… Reisende mit Behinderung nach ihren Erfahrungen, Erwartungen und Wünschen an die Reisebranche.


Im ersten Teil dieser Serie antwortet Anja Lehmann, die von Geburt an blind ist. Die Akademikerin lebt mit ihrem ebenfalls blinden Mann in Leipzig. Im Schnitt unternimmt Sie fünf Reisen pro Jahr – privat und geschäftlich motivierte Reisen, in Deutschland, Europa und der ganzen Welt.
 


Frau Lehmann, wann sind Sie zuletzt verreist?

Zuletzt waren mein Mann und ich über Silvester auf einer Rheinkreuzfahrt. Es ging von Düsseldorf nach Straßburg und zurück.

Ob „Sehens“würdigkeiten oder „Sights“ – Reisen wird von Sehenden oft ausschließlich damit verbunden, etwas Neues zu sehen. In der Tat werde ich als Beraterin der Tourismusbranche oft gefragt, warum blinde Menschen überhaupt verreisen, wo sie doch nicht sehen, was sie umgibt – weder im Heimatort noch auf Reisen. Was entgegnen Sie dieser Frage? Was ist Ihre Reisemotivation und wie nehmen Sie Urlaubsorte wahr?

Ich konnte noch nie sehen, reise aber seit meiner Kindheit sehr gerne. Jeder Ort hat seine ganz eigenen Geräusche und Gerüche. Als Dolmetscherin interessiere ich mich für die Menschen in anderen Ländern, aber auch für die kleinen Dinge des Alltags, z. B. öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder einkaufen. Ich lasse mir sehr gerne das Angebot auf Märkten beschreiben. Außerdem mache ich Stadtführungen und besuche Museen. Sicher könnte man vieles auch über die Medien erfahren, aber wenn ich wirklich wissen möchte, wie es an einem Ort ist, dann muss ich selbst hinfahren. Darüber hinaus geht es mir aber auch so wie Anderen, die viel arbeiten. Im Urlaub möchte ich es mir fernab vom Alltag mal so richtig gutgehen lassen. Ich mache oft Wanderreisen und kann dann in der frischen Luft so richtig gut abschalten, und am Ende des Tages muss ich dann kein allzu schlechtes Gewissen haben, wenn ich mich mit den kulinarischen Angeboten meines Urlaubsortes verwöhnen lasse.


Wie organisieren Sie Ihre Reisen: Wie wählen Sie Reiseziele aus und welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit Sie entspannt verreisen können?

Oft reise ich mit speziellen Reiseveranstaltern, die gemeinsame Reisen für blinde und sehende Menschen anbieten. Die sehenden Teilnehmer zahlen dabei einen geringeren Reisepreis und stellen sich als Begleiter für blinde oder sehbehinderte Mitreisende zur Verfügung. Ich nutze zwei Anbieter regelmäßig und lasse mich oft von deren Katalog inspirieren. So kam ich z. B. zu einer Kultur- und Safarireise nach Swasiland. Aber es gibt natürlich auch Wunschziele, von denen ich gehört habe und die ich unbedingt besuchen will. Es war z. B. etwas ganz besonderes für mich, vor zwei Jahren nach einer anstrengenden Wanderwoche auf dem Jakobsweg zum ersten Mal vor der Kathedrale in Santiago de Compostella zu stehen und dort im strömenden Regen mit Dudelsackmusik empfangen zu werden.

Häufig besuche ich Freunde, von denen ich viele auch auf Reisen kennengelernt habe. Ich finde es schön, wenn sie mir das zeigen, was sie an ihrem Heimatort besonders mögen und revangiere mich gern mit meinen persönlichen Leipzig-Highlights.

Schließlich trifft sich meine reisebegeisterte Familie oft zu gemeinsamen Wochenenden an unterschiedlichen Orten, und manchmal bin ich auch für ein paar Tage geschäftlich unterwegs.

Es gibt nicht viel, das mich von einer Reise an einen interessanten Ort abhalten könnte, aber wenn irgend möglich, bin ich dankbar, wenn ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen und mich in meiner Unterkunft selbstständig orientieren kann.


Ein ebenfalls oft gehörter Satz in meiner Arbeit ist: „Ein blinder Mensch kommt doch ohnehin nie ohne Begleitperson.“ Deshalb wird vieles von vornherein gar nicht so gestaltet, dass sich ein blinder Mensch tatsächlich alleine zurechtfinden könnte. Wie schätzen Sie das ein? Und was empfehlen Sie touristischen Einrichtungen, was sie mindestens für blinde Gäste bereithalten sollten?

An einem fremden Ort ist die Orientierung für mich tatsächlich viel schwieriger als zu Hause, und ich nehme gerne Hilfe an, damit der Urlaub nicht zu anstrengend wird, aber es gibt immer noch viele Situationen, in denen mir keine Begleitperson zur Verfügung steht oder wir uns für eine Weile trennen. An vielen Orten wäre mir schon geholfen, wenn mich ein Mitarbeiter dorthin begleiten könnte, wohin ich muss, gerade wenn es keine besonderen Vorkehrungen gibt.
Leitsysteme mit Markierungen am Boden sind sehr hilfreich, wenn sie ganz klar sind und nur die wichtigsten Orte anzeigen, z. B. Treppen und Fahrstühle, Informationsschalter, Toiletten oder wichtige Anlaufpunkte.

In Hotels bitte ich meist um ein Zimmer in der Nähe von Treppe oder Fahrstuhl. Natürlich ist es optimal, wenn die Knöpfe im Fahrstuhl mit Brailleschrift markiert sind und die Stockwerke angesagt werden, aber wenn das Budget im Moment nicht für die Ideallösung reicht, gibt es auch einfachere Möglichkeiten. Ich habe z. B. mal in einem Gebäude gearbeitet, bei dem in jedem Stockwerk neben dem Fahrstuhl die entsprechende Nummer aus Holz aufgehängt war, eigentlich als Schmuckelement, aber ich wusste immer, dass ich auf der richtigen Etage angekommen war. Zimmertüren könnten in Brailleschrift oder auch einfach mit taktilen Zimmernummern beschriftet werden. Selbst wenn man als blinder Gast Schwierigkeiten hat, sie zu entziffern, kann man sich die Form merken und so das richtige Zimmer finden. Falls die Karte zum Öffnen der Zimmertür in eine bestimmte Richtung gedreht werden muss, kann man sie mit etwas Klebeband markieren oder eine kleine Ecke abschneiden. Ich freue mich immer, wenn mir das angeboten wird, auch wenn eine sehende Person das Zimmer mit mir nutzt. So sind wir unabhängig und nicht gezwungen, gleichzeitig ins Bett zu gehen.

Häufig werden mir in Hotels Behindertenzimmer angeboten, oder ich werde an öffentlichen Orten zur Behindertentoilette gebracht. Das ist immer nett gemeint, hat aber auch so seine Tücken, denn es ist gar nicht so einfach, sich in einem rollstuhlgerechten Bad zurechtzufinden, in dem alles etwas tiefer angebracht ist. Ich habe da schon einiges gesucht, und das Waschbecken ist dann auch nicht in der optimalen Höhe. Im Zweifelsfall müsste mir zumindest jemand kurz erklären, wo ich alles finde.

Bei Buffets, z. B. beim Frühstück, brauche ich auf jeden Fall Hilfe und freue mich, wenn mir das angeboten wird.

Meistens mache ich sehr gute Erfahrungen und empfehle Unterkünfte, in denen ich mich wohlgefühlt habe, auch gerne weiter.


In vielen Städten gibt es mittlerweile spezielle Stadtführungen für blinde Gäste und auch Museen bieten oft eigene „Tastführungen“ an. Nutzen Sie diese Angebote? Und was braucht es um diese Angebote herum, damit Sie sich tatsächlich auf die Reise dorthin machen?

Ich finde es sehr schön, dass sich immer mehr Stadtführer und Museumsmitarbeiter Gedanken darüber machen, was sie speziell blinden Gästen zeigen können und nutze diese Angebote sehr gerne. Da wir nicht immer in größeren Gruppen auftreten, finde ich es gut, wenn die Anbieter ab und zu spezielle öffentliche Führungen einplanen, idealerweise am Wochenende. Wenn so etwas langfristig angekündigt wird, kann man sich darauf einstellen und auch bei weiterer Entfernung eine Wochenendreise entsprechend organisieren. Optimal wäre dabei, wenn mehrere Angebote in einer Stadt kombiniert werden könnten und für Weitgereiste auch gleich Hotels vorgeschlagen würden, die sich gut auf blinde Gäste eingestellt haben. So könnte man z. B. morgens eine Stadtführung machen, in der Nähe des Zielortes Mittagessen und nachmittags noch eine Tastführung in einem Museum machen. Dann lohnt sich die Anreise ganz sicher. Vielleicht ist es auch möglich, in Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe vor Ort Begleitpersonen zu organisieren, die bei der Orientierung und dem Weg von A nach B helfen können.

Manchmal nehme ich auch spontan an Stadt- oder Museumsführungen teil, bei denen dann natürlich nicht alles auf mich zugeschnitten sein kann. Aber auch in solchen Fällen habe ich schon sehr gute Erfahrungen gemacht: So hat mir eine Stadtführerin in Bamberg spontan unsere Route auf einem Tastmodell erklärt, an dem wir vorbeikamen, und ein Museumsführer auf der Wartburg hat während einer Familienführung auf Exponate hingewiesen, die ertastet werden durften. Ich finde es schön, wenn sich Stadt- oder Museumsführer darüber informieren, was vor Ort für blinde Besucher interessant und jeder Zeit verfügbar ist. Und schließlich sind gute Beschreibungen auch sehr viel wert!


Haben Sie Tipps für Servicemitarbeiter für den Umgang mit blinden Gästen?

Kommunikation ist alles! Wir sind eine sehr heterogene Gruppe und haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Am besten besprechen Mitarbeiter mit dem jeweiligen Gast, wie sie helfen können. Es ist für mich überhaupt kein Problem, wenn ich ein bisschen warten muss bis mich jemand irgendwohin begleiten kann. Mir ist nur wichtig, als Gast mit meinen Bedürfnissen ernst genommen zu werden. Sicher bringt die Organisation einer Reise für mich mehr Aufwand und Anstrengung mit sich als für jemanden ohne Behinderung und da können freundliche Servicemitarbeiter sehr viel zu einem entspannten und angenehmen Aufenthalt vor Ort beitragen.


Was wünschen Sie sich von der Reisebranche?

Offenheit für alle Gäste, auch die mit speziellen Bedürfnissen.

Vielleicht können sich die Profis auch etwas von besonders guten ehrenamtlichen Initiativen abschauen. So organisierte der örtliche Blinden- und Sehbehindertenverband zur Bundesgartenschau in Heilbronn ehrenamtliche Begleiter, die blinde Gäste vom Zug oder Hotel abholten und mit ihnen Zeit auf der Bundesgartenschau verbrachten. Dieses Angebot war ganz neu, wurde aber schon von einigen blinden und sehbehinderten Gästen begeistert angenommen.

In der Nähe von Leipzig findet jedes Jahr ein Wanderwochenende, die 7-Seen-Wanderung, statt. Dort bieten sich Mitglieder von zwei Wandervereinen als Begleiter für blinde und sehbehinderte Wanderer an. Eventuell könnte man touristische Angebote um so etwas herumplanen.


Und welche Reise ist Ihre nächste?

Ich freue mich jetzt auf eine Wanderwoche auf Teneriffa.

Frau Lehmann, ich danke Ihnen für das Gespräch!

Anja Lehmann auf einer Reise nach Bamberg
Anja Lehmann auf einer Reise nach Bamberg
Anja Lehmann gemeinsam mit ihrem Mann vor Windsor Castle, England
Anja Lehmann gemeinsam mit ihrem Mann vor Windsor Castle, England