Ich gestalte mit Ihnen komfortable Reiseangebote für Alle
Einblicke
Hier finden Sie weitere Infos zu meinem Herzensthema: Barrierefreiheit im Tourismus. Texte zu meiner Philosophie, Interviews mit den Menschen, um die es geht, Hintergrundwissen für Ihre Produktgestaltung oder Ihr Marketing, und vieles mehr. Lassen Sie sich inspirieren!
Im neuen Förderwegweiser des Bundes, der seit 10. Dezember online ist, können Förderungen gefiltert werden, die speziell für Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit vergeben werden.
Wer sich mit Barrierefreiheit im Tourismus beschäftigt, stolpert immer wieder über Begrifflichkeiten. Was ist denn ein „barrierefreies Hotelzimmer“ und wie unterscheidet es sich bitte von einem „rollstuhlgerechten Hotelzimmer“? Vielerorts werden Angebote geschaffen, aber wenig darüber gesprochen – man weiß oft einfach nicht, wie man das Kind nennen soll.
Bei meinem regelmäßigen Stopp im Allgäu als Gast-Dozentin der Hochschule Kempten bin ich auf ein Best-Practice-Beispiel aus der Reihe „Barrierefreie Events“ gestoßen.
Der Botanische Garten in Frankfurt am Main hat im letzten Jahr den „Senckenbergischen Arzneimittelgarten“ erneuert und ihn „ganz nebenbei“ als Duft- und Tastgarten so gestaltet, dass …
In meinen Schulungen für Servicemitarbeiter*innen gebe ich Hinweise und mache viele Übungen zum Umgang mit behinderten und älteren Gästen. Aber ein Punkt geht über all das weit hinaus: echtes Verständnis für eine Behinderung und vor allem für den Menschen mit Behinderung.
Reiseblogs gewinnen für das touristische Marketing immer mehr an Bedeutung – auch im Bereich Barrierefreiheit. Im Dezember besuchte eine Reisebloggerin im Rollstuhl Frankfurt samt Weihnachtsmarkt – zuvor hatte sie bereits die Urlaubsmöglichkeiten in Lorch am Rhein auf Herz und Nieren getestet.
Reiseblogs für’s eigene Marketing zu nutzen, ist die eine Idee – alleine schon das Lesen dieser Blogs kann außerdem dazu beitragen, ein Gespür für die Zielgruppe Reisende mit Behinderung zu entwickeln.
Im neuen Förderwegweiser des Bundes, der seit 10. Dezember online ist, können Förderungen gefiltert werden, die speziell für Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit vergeben werden. Das erleichtert die Suche nach passenden Förderangeboten immens. Es kann zusätzlich nach weiteren Kriterien wie z.B. Bundesland gefiltert werden.
Wer sich mit Barrierefreiheit im Tourismus beschäftigt, stolpert immer wieder über Begrifflichkeiten. Was ist denn ein „barrierefreies Hotelzimmer“ und wie unterscheidet es sich bitte von einem „rollstuhlgerechten Hotelzimmer“? Soll ich meine Zielgruppe, also die Betroffenen, mit „behinderte Menschen“ oder mit „Menschen mit Handicap“ ansprechen? (Übrigens sind sowohl „Zielgruppe“ als auch „Betroffene“ bereits zwei Begriffe, über die man diskutieren kann…) Nicht nur die Tourismusbranche tut sich schwer mit den Begriffen. Vielerorts werden Angebote geschaffen, aber wenig darüber gesprochen – man weiß oft einfach nicht, wie man das Kind nennen soll.
Definitionen
Für wenige der Begriffe, die verwendet werden, gibt es Definitionen. „Barrierefreiheit“ ist im Behindertengleichstellungsgesetz definiert, „Behinderung“ im Sozialgesetzbuch, „rollstuhlgerechte“ und „barrierefreie“ Zimmer in einigen Landesbauordnungen – aber werden denn immer die dort hinterlegten Definitionen mitgedacht, wenn landläufig von Barrierefreiheit und Behinderung gesprochen wird? Mitnichten! Wer sich die gesetzliche Definition von Barrierefreiheit einmal angesehen hat, weiß, dass man wohl kein Hotelzimmer der Welt als barrierefrei bezeichnen dürfte.
Bisherige Praxis
Selbst Akteure, die seit vielen Jahren im barrierefreien Tourismus aktiv sind, sind sich uneinig. Während Sachsen seine Broschüre immer noch mit „Sachsen barrierefrei“ betitelt, setzt sich in anderen Destinationen eher der Zusatz „für Alle“ durch – nicht zuletzt auch beim bundesweiten Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“. Die Arbeitsgemeinschaft der Destinationen, die als Vorreiter im barrierefreien Tourismus gelten, hat sich erst letztes Jahr umbenannt von „AG barrierefreie Reiseziele“ zu „AG Leichter Reisen“ – die Frage nach dem Erfolg dieser Maßnahme steht noch im Raum.
Neue Wege in der Zielgruppenansprache
Immer wieder tauchen auch neue Begriffe in diesem Zusammenhang auf. Das Problem: Die Tourismusbranche baut Barrieren ab, nicht nur für Menschen mit Behinderung wie rollstuhlfahrende, blinde und gehörlose Menschen, sondern sie hat dabei auch ältere Menschen im Kopf, die zwar zunehmend aus gesundheitlichen Gründen auf Barrierefreiheit angewiesen sind, gleichzeitig aber nicht auf Schlagwörter wie „barrierefrei“ oder „behindertenfreundlich“ reagieren. So entstehen „Komfortleistungen“ für „Menschen mit besonderen Bedürfnissen“ oder „Travel in style and comfort“ – Formulierungen, bei denen die Schreiberin oder der Schreiber die Zielgruppe im Blick hat – ob die Zielgruppe das versteht, ist allerdings in vielen Fällen unklar.
Die Eigensicht derer, um die es geht
Wenn man Menschen mit Behinderung fragt, wie sie angesprochen werden möchten, gibt es ebenfalls keine klare Antwort. Oft wird die Individualität der einzelnen Menschen hervorgehoben. Man möchte gar nicht als Gruppe angesprochen werden, denn das impliziert ja Homogenität und homogen ist die Gruppe von Menschen mit Behinderung tatsächlich überhaupt nicht.
Fazit
Ich persönlich glaube, dass diese Suche nach der korrekten Begrifflichkeit ein Grund dafür ist, warum sich viele Tourismusakteure vom Thema abgeschreckt fühlen. Man kann es doch eigentlich nur falsch machen – da lässt manch einer lieber die Finger davon. Und wenn man sich doch traut, Angebote schafft und sogar veröffentlicht, kommt mit Sicherheit einer, der etwas zu meckern hat (oft an den Begrifflichkeiten…) Das ist sehr schade und damit stehen sich diejenigen, die einen echten Nutzen von Barrierefreiheit im Tourismus haben, leider selbst im Weg. Auf der anderen Seite wiederum verständlich, denn: Wer bitte könnte den einen richtigen Ausdruck denn bestimmen? Es kann nicht einer für alle sprechen. So lange es aber keine festen Begriffe gibt, müssen beide Seiten kompromissbereit sein: Diejenigen, die sich über Barrierefreiheit freuen, sollten ein Auge zudrücken, wenn sie nicht 100 % so angesprochen werden, wie sie sich wohl fühlen. Und wir Touristiker sollten Verständnis für die Sensibilität dieses Themas haben, uns wirklich mit den Menschen beschäftigen, Beschwerden hinterfragen – aber letztlich auch einfach weiter Formulierungen ausprobieren und die nutzen, die für uns stimmig scheinen.
Bei meinem regelmäßigen Stopp im Allgäu als Gast-Dozentin der Hochschule Kempten bin ich auf ein Best-Practice-Beispiel aus der Reihe „Barrierefreie Events“ gestoßen. Die Allgäuer Festwoche bot in diesem Jahr einen Begleitservice für Menschen mit Behinderung, die Unterstützung beim Festwochen-Besuch benötigen. Außerdem gab’s erstmals eine „Toilette für Alle“ sowie Informationen in Leichter Sprache im Messejournal und auf den LED-Wänden im Gelände. Kleine Maßnahmen, die Schritt für Schritt zum „Barrierefreien Event“ führen…
Wer sich für weitere Maßnahmen interessiert, kann die MosGiTo-Schulung „Barrierefreie Events“ besuchen. Sie kann als Inhouse-Schulung gebucht werden und findet regelmäßig auch als offene Schulung statt. Mehr unter Termine.
Frühling – das ist Blütenpracht, warme Luft und süßer Duft! Der Botanische Garten in Frankfurt am Main hat im letzten Jahr den „Senckenbergischen Arzneimittelgarten“ erneuert und ihn „ganz nebenbei“ als Duft- und Tastgarten so gestaltet, dass sich blinde und sehbehinderte Gäste ab Eingang sogar eigenständig zurechtfinden können – durch ein entsprechendes Bodenleitsystem, Beschilderung in erhabenem Großdruck und Braille-Schrift, aber auch durch eine eigens programmierte App.
Jetzt im Frühling ist das natürlich ein lohnenswertes Ausflugsziel – und für alle, die sich beruflich mit barrierefreiem Tourismus beschäftigen und sich fragen, wie man Angebote möglichst barrierefrei gestalten kann, sei dieses gute Beispiel hervorgehoben. Die Zertifizierung nach „Reisen für Alle“ steht in diesem Jahr bevor, so dass sich Interessenten dann auch vorab bereits detailliert über das Angebot informieren können – ein wahnsinnig wichtiger Baustein in der effektiven Vermarktung des Angebotes!
Tourismus ist eine Dienstleistung. Der persönliche Kontakt zum Gast steht im Mittelpunkt unserer Leistung und beeinflusst das Urlaubsgefühl nachhaltig. Das Hotelzimmer war gut ausgestattet, aber das Personal unfreundlich? – Das Haus empfehle ich nicht weiter! Ich hatte einen Wunsch, aber er wurde nicht erfüllt? – Ich komme nicht wieder!
Im Idealfall ist eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter im Kundenservice eine freundliche, hilfsbereite Natur mit ausgeprägtem Servicegedanken. Im Umgang mit behinderten und älteren Gästen haben aber viele im Team keine persönlichen Erfahrungen, sie sind unsicher. Hintergrundinfos und Training sind in diesem Bereich extrem wichtig.
In meinen Schulungen für Servicemitarbeiter*innen gebe ich Hinweise und mache viele Übungen. Aber ein Punkt geht über all das weit hinaus: echtes Verständnis für eine Behinderung und vor allem für den Menschen mit Behinderung.
Die aktuelle Diskussion um die Kostenübernahme der Krankenkassen von weiteren Maßnahmen zur Pränataldiagnostik zeigt, dass unsere Gesellschaft dieses Verständnis nicht besitzt. Und auch in meinen Schulungen kommen immer wieder Diskussionen auf, bei denen ich als Sprachrohr der Betroffenen das Gefühl habe, gegen eine Wand aus Unverständnis zu sprechen. Dabei ist dieses Unverständnis weder bewusst noch böswillig. Sie sitzt einfach zu tief, unsere Vorstellung, dass nur ein Leben ohne Behinderung lebenswert ist.
Jeder Mensch lebt sein Leben so wie er ist
Viele Menschen mit Down-Syndrom haben protestiert, als es um die Frage ging, ob die neuen Maßnahmen zur Pränataldiagnostik von der Krankenkasse übernommen werden sollen. Sie haben Angst, dass die Durchführung der Maßnahmen dazu führt, dass Kinder gar nicht erst geboren werden. Kinder, die wie sie sind. Ihr Leben soll nicht lebenswert sein. Bereits heute werden 9 von 10 Kindern, bei denen im Mutterleib eine Trisomie festgestellt wird, abgetrieben. Menschen mit Down-Syndrom fühlen sich verachtet. Es soll niemand mehr auf die Welt kommen „müssen“, der so ist wie ich? Na, vielen Dank! Ich lebe gerne! Und zwar eben genau so wie ich bin!
Eine andere Diskussion wurde zeitgleich geführt und verdeutlicht mein Anliegen vielleicht noch besser: Die gehörlosen Eltern eines gehörlosen Kindes haben entschieden, dass ihrem Kind KEIN Cochlear-Implantat eingesetzt werden soll. Mit dem Implantat könnte das Kind vermutlich hören. Dieser Fall stieß bundesweit auf Unverständnis – und genau hier ist mein Punkt: Wir haben kein Verständnis dafür, dass ein Leben ohne Hören ein gutes Leben sein kann. Kann es aber! Und wer weiß das besser als die gehörlosen Eltern, die selbst glücklich leben und das Hören als nicht notwendig empfinden – auch nicht für ihr Kind?
Unser Umgang mit den Menschen entscheidet
Entscheidend, ob ein Mensch mit Behinderung glücklich leben kann oder nicht, ist der Umgang unserer Gesellschaft mit ihm und seiner Behinderung. Wenn wir verstehen, dass der Mensch eben so ist wie er ist und dass die Behinderung ein Teil (aber eben nur EIN Teil) dieses Menschen ist, dann sind wir auf dem richtigen Weg.
Als ehrenamtliche Sterbebegleiterin kenne ich viele Diskussionen und Gedanken dazu, was lebenswertes Leben bedeutet – oft in Zusammenhang mit Krankheit und Pflegebedürftigkeit, aber oft auch ganz unabhängig davon, in einem weiter gefassten Rahmen. Menschenleben sind so vielfältig, so komplex. Behinderung ist da nicht das Einzige, was uns auf dem Lebensweg lenkt…
Wenn Sie mehr über den adäquaten „Umgang mit behinderten und älteren Gästen“ erfahren und ihn an Beispielsituationen aus dem Tourismus trainieren wollen, dann besuchen Sie meine gleichnamige Schulung. Sie kann als Inhouse-Schulung gebucht werden und findet immer wieder auch als offene Schulung statt.
Mein Newsletter gibt Ihnen ungefähr alle 2 Monate einen Überblick über aktuelle Termine und spannende Hintergründe – ganz spezifisch zusammengestellt für Tourismusakteure auf dem Weg zur Barrierefreiheit.
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